Laudatio für Antony Petschacher
gehalten von
Frau Professor Ilse Storfer-Schmied
anlässlich der Übergabe des
Ehrenkruges der Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg
am 15. August 2017:
An den Beginn dieser
Laudatio, bei der ich mit den Angaben zum Leben und manchen
Begebenheiten daraus das
Bild nachzuzeichnen und euch zu vermitteln habe,
welches zu dieser
Dichterpersönlichkeit mit dem unnachgiebigen Bestreben für eine
gerechtere und
friedvolle Welt geführt hat, stelle ich einen vorbereitenden Gedanken,
der mir während der
Beschäftigung mit diesem außergewöhnlichen Lebenslauf bewusst
geworden ist:
Antony Petschacher: Als zweites lediges Kind einer
ehemaligen
Lazarettschwester
1947 in einer wirtschaftlich schwierigen und
von
erdrückender Arbeitslosigkeit geprägten Nachkriegszeit in
Metnitz geboren, schien
der Himmel für Anton gestrenge Auflagen
bereitgestellt
zu haben. Seine Mutter arbeitete in der
Ferne und
von
seinen freudberaubten arbeitslosen Onkel und Tanten gab es
ohnedies
höchst selten positive Zusprüche, sie empfanden den
mit
allzu geringen Alimenten Bedachten vermutlich als zusätzliche
Belastung.
So hörte er so manche Sätze wie „Der braucht nichts zu
lernen,
der soll arbeiten!“ Ein Gescheiter in Form seines schon vom
äußeren
her besser in die Familie passenden Bruders Erich, gereiche
ihnen
vollauf!
1953 eine
wehrhafte Seele!
Ähnlich erging es im als Volksschüler mit einem leeren
Blatt Papier, auf welchem er Gedichte zu formulieren
begann. „Was erlaubst du dir, Blätter zu verschwenden!“
Und nachdem er nicht gleich
seinem um zwei Jahre älteren Bruder ebenso ein Mathegenie war,
nahmen seine Lehrer
irrtümlich an, er wolle nicht lernen. Anstatt, gleich lieben Lehrerinnen auf
positive Anlagen und die
Individualität ihrer Schüler wohlwollend einzugehen, vertrauten einige
Lehrer nicht selten der
Macht ihrer Stöcke und dem Wissen, eine Intervention lediger Väter würde
es nie geben! Besser
werden wollend betrübten ihn seine Leistungen in der Volkschule, jene seines
älteren Bruders wurden
gelobt, seine hingegen ohne aufbauende Anregungen unbedacht kritisiert!
Als Hirtenjunge und als
Helfer bei der Heumahd fühlte er sich hingegen akzeptiert, auch von
seinem Großvater, dem er
gerne bei gemeinsamen Holzarbeiten half. Gern gedenkt er auch
seiner Tante Michaela
und seinem gleichfalls hilfreichen Onkel Willi, ihm konnte er bei der
Betreuung der
Bienenvölker mit Fleiß und Freude dankend beistehen.
Ein besonders für seine
geliebten Großeltern wahrhaft himmlisches Geschenk erbrachte sein 1956
richtig getippter Elfer im
Toto, bedauerlicherweise hatte die Oma seinen letzten Tipp verändert,
ansonsten hätte es sogar
einen Zwölfer ergeben. Von dem seinerzeit nicht unbeträchtlichen
Gewinn in der Höhe von
6.800 Schilling kauften die Großeltern zur Freude aller eine neue
Kücheneinrichtung und
ein komfortables Sofa.
Glücklicherweise gab es
aber auch sehr schöne gemeinsame Stunden mit seinen unvergessenen
Großeltern, und
besonders die beglückenden Märchen und Geschichten, welche sein Großvater
erdachte und auch frei
erzählte, die auch immer wieder in Richtung eines vergleichend gerechten
Handelns zielten,
empfand er als die Schönsten und diese hinterließen trotz ihrer Einfachheit
bleibende Spuren im
Denken des Dichters. Dankbewusst erinnert er sich der tröstenden herz-
erwärmenden Zuwendungen
seiner lieben Großeltern. Seiner Großmutter Johanna widmete er
das folgende
Dankgedicht.
Nach dem Ableben seines
geliebten Großvaters musste er 1960 bereits im zweiten Monat des vierten
Hauptschuljahres von
Friesach nach St. Veit an der Glan überwechseln. Noch im selben Jahr heiratete
seine Mutter und bereits
zu Weihnachten musste er erneut ungewollt nach Klein St. Paul umziehen,
und somit hatte er drei
verschiedene Hauptschulen im entscheidenden Abschlussjahr unbeschadet
zu durchlaufen! Aus der Friesacher Hauptschulzeit blieben ihm die Pädagogen Eduard Wasserfaller
(ein Ehrenkrugträger
unserer Gemeinschaft) und der ehrenwerte Pater Bonaventura aufgrund ihres
kreativen und
wertebewussten Unterrichts in guter Erinnerung. -
Diverse innerfamiliäre
Zustände - nämlich ein rabiater Stiefvater - ließen ihn Nacht für Nacht aus
Angst
um seine Mutter nur sehr
wenig schlafen und wie zu erwarten, schlief er eines Tages vollkommen
entkräftet im
Zeichenunterricht ein. Seine Lehrerin watschte in gröblich und raste mit ihm
auch noch zum
Herrn Direktor, welcher
ohne ihn überhaupt anzuhören, sofort mit zwei brutalen Watschen und dem
Zuspruch: „Du Rotzlöffel
wirst in meiner Schule nicht schlafen und dich bringe ich auf Vordermann“
gemein erniedrigte!
Gerade dieses „Auf Vordermann
bringen“ blieb ihm in brennender Erinnerung, desgleichen des Direktors
heldenhafte Erzählungen
in seinem Geschichtsunterricht: „Er hätte stets schneller geschossen als die
Russen!“
Die Kultur der Antike
und Homers Erzählungen sowie solche, auf das kulturelle Werden Europas
hinweisende Bezüge
vergaß er gänzlich. Geschehnisse die seine Einstellung zur Erwachsenenwelt
prägten!

Entsprechend seines
Abschlusszeugnissen wurde ihm anstelle einer erhofften Wiederholung eine
Schlosserlehre
oktroyiert. Kaum hatte er die Lehre angetreten, erreichte ihn auch schon ein
Brief
seines ledigen Vaters in
dem dieser festhielt: Du verdienst nun selbst und somit beende er jedwede
Zahlungen. Zudem hatte
er seiner verwitweten Tante seine ohnedies geringen Einkünfte als Lehrling
dreieinhalb Jahre lang
abzuliefern und zugleich freizeitbeschränkend beim Bau von drei Häusern
tatkräftig mitzuhelfen.
Einer positiven Selbsterneuerung vertrauend schrieb er ein sinniges Gedicht:
Nach seiner 1965 mit
positivem Erfolg abgelegten Gesellenprüfung erfasste ihn erstmals die Freude
einer
persönlichen
Wertschätzung.
Mit achtzehn verließ er
seine Heimat und diente von 1965 bis 1969 als Ausbilder und Sport Unteroffizier
an einer Truppenschule
in Niederösterreich. Dank der pädagogischen Führungsqualitäten seines damaligen
Chefs Oberst Erich
Sonntag verblieb ihm besonders dessen Rat, sich lesend zu kultivieren und durch
den
Besuch von Museen und
Theatervorstellungen weiterzubilden, in dankbarer Erinnerung. Erwartungsvoll
berührten ihn besonders
die in „Nathan der Weise“ im Burgtheater dargebotenen philosophischen
Hinterfragungen Lessings
zum Gott vergessenen, allzu leicht verführbaren unvollendeten Menschen.
Ab 1969 arbeitete er in
der optischen Industrie in der Schweiz und von dort wanderte er 1972 nach
Südafrika aus, wo ihm
jedoch die seinerzeit vorherrschende Apartheit derart missfiel, so dass er nach
Rhodesien umsiedelte, wo
er unter anderem auch für die Eisenbahn arbeitete.
Nachdem das wunderschöne
Rhodesien jedoch gleichsam im Bürgerkrieg unterzugehen drohte, verließ
er nach seiner Weigerung
gegen schwarze Mitbrüder zu kämpfen das Land und kehrte in dem Wissen,
die dortigen
Ungerechtigkeiten irgendwann in Buchform anzusprechen, nach Europa zurück!
Später dann, im Juli
2007, forderte er Regierungen angrenzender Länder dazu auf, Zimbabwes Präsident
Mugabe im Sinne einer
Verhinderung eines erneut drohenden Bürgerkrieges friedensbereiter zu stimmen.
Von 1974 bis 1976
arbeitete Anton Petschacher bei der Elin Union in Hard und wurde von den
dortigen
Kollegen zum Betriebsrat
gewählt, anschließend diente er auf Zypern ein Jahr lang den Vereinten
Nationen.
1978 begann seine
Ausbildung zum Heilmasseur, medizinischen Bademeister und Lymphdrainage
therapeuten, dieser
folgte ein entsprechendes Praxisjahr im Bregenzer UKH und um die im Jahre 1985
geplante Selbständigkeit
in Bregenz vorfinanzieren zu können, mussten noch zuvor mehrere
arbeitsintensive
Jahre in der Schweiz
erfüllt werden.
1990 ersuchte er den
Vorarlberger Landeshauptmann Dr. Martin Purtscher, zugezogenen
Innerösterreichern
ein politisches
Mitwirken in Toleranz und Fairness zu ermöglichen. Leider fanden seine, von
Herrn Dr. Purtscher
anlässlich einer
themenbezogenen Veranstaltung der ÖVP vorgebrachten Vorschläge, reformfreudige
Quer-
Einsteiger politisch
einzubinden, kein Gehör! Löblicherweise ersuchte der Herr Landeshauptmann kurze
Zeit
später in einer seiner wöchentlichen
Radioansprache um einen faireren Umgang mit Zugezogenen, welche sich
gleichsam zum Wohle des Landes einbringen
würden.
Nach überwundenen
neidvollen Zwischentönen setzte er sich mit Kärntner Herzblut schlussendlich
als
Heilmasseur und
Therapeut auch ohne Kassenverträge durch, so dass er seine erkämpfte
Selbständigkeit
nach sechzehn
erfolgreichen Jahren einzig auf Grund von Bandscheibenproblemen und
entsprechenden
Operationen beenden
musste. In der Zeitung „Blättle“ schwärmten seine
Patienten: „Er hat goldene Hände.“
Betrübt vom anhaltenden
Unfrieden in Nordirland ersuchte er 1992 Präsident George Bush um die
Unterbindung
von Waffenlieferungen an
die IRA und zugleich um erfolgversprechende Friedensverhandlungen für
Nordirland.
Kurz nach den
erfolgreichen Friedensverhandlungen lud ihn die Vorsteherin des katholischen
Werkes ein, in ein
über der Stadt Bregenz
liegendes Erholungsheim zu kommen, in welchem er einen vom Vatikan angereisten,
großgewachsenen blonden
irischen Geistlichen, (der in Wahrheit wissen wollte, wer der zum Frieden
anregende
Briefschreiber sei)
behandeln durfte. Es darf noch auf weitere, in seiner Homepage befindliche
briefliche Friedens-
ersuchen, gerichtet an
die Vereinten Nationen, an Präsident Sarkozy und andere Politiker verwiesen
werden.
Hoch beglückt erfreut es
ihm immer wieder, dass seine Töchter seinen väterlichen Wunsch, eine
höherwertige
Bildung zu erstreben
absolut positiv erfüllten.
Die älteste Tochter Mag.
Rebekka Moser moderierte bei Antenne Vorarlberg die Sendung „Mensch Moser“
und derzeit schreibt sie
für die Frauenzeitung „Die Vorarlbergerin“.
Die zweite Tochter Jessica arbeitet als
Kindergartenpädagogin in
Bregenz und die jüngste Tochter Corina beendete ihr Studium als Doktor der
Allgemeinmedizin.
Ab 1992 begann er die an
verschiedene Politiker gesandten Briefe zu dokumentieren, welche 1998 in seinem
Doppelbuch „A new Order Mr. President“ und
„Österreichs Briefbomber“ eine spezielle Berücksichtigung
fanden.
In diesen bekrittelte
der Autor besonders die überbordende Wiederaufrüstung und deren, nach
fortgesetzten
Ressourcenkriegen
erzwungenen Flüchtlingswellen. Im Buch „Österreichs Briefbomber“ kritisierte er
die
jahrzehntelang
vergessene Resozialisierung unverbesserlicher Nazis, welche seiner Meinung nach
das
Aggressionspotential des
Franz Fuchs vergrößert haben dürfte.
2002 folgte sein drittes
Buch „Aus Liebe Friede Freude Lachen“, in welchem er dazu aufrief, die
Wandlungs-
Kräfte des Humanismus,
des Pazifismus, und jene der Religion, der Toleranz und Akzeptanz als Säulen
einer
aktiver umzusetzenden
Friedenspolitik zu inthronisieren.
Unverrückbar seiner
Kärntner Heimat verbunden forderte er den seinerzeitigen Landeshauptmann,
Herrn Dr. Heider in
einem Mailbrief dazu auf, in der umstrittenen Ortstafelcausa entsprechend eines
in der Schweizer Romandie und im Tessin so vorbildlich vorgelebten
friedvollen Miteinanders, diese
Gepflogenheiten durch
ein Errichten zweisprachiger Ortstafeln auch für Kärnten zu erstreben!
Als ein den Idealen der
Vereinten Nationen mit Herz und Sinn verbundener Weltbürger folgte er der
dokumentierten Einladung
Dr. Heiders zu dessen zweiter Inauguration nicht!
Im Jahre 2000 sandte er
sein Gedicht „Gott gepriesen Wasser Leben spendend Kraft“ an Dr. Kofi
Annan, möglicherweise
fügte sich die kleine Anregung in das später von den Vereinten Nationen
proklamierte Jahr des
Wassers, und dankenswerterweise wurde es von der DGZ 2004 im Sammelband
„Wasser“ mit einbezogen.
Nach seiner an Dr. Kofi
Annan gesandten Hinterfragung einer dringliche Reformbeschlüsse vergessenden
lustbereisten
Weltdiplomatie, folgte postwendend seine Brandrede vor der UN-Hauptversammlung
und
kurz danach erhielt er
dessen treffliche Antwort: „Ich danke Ihnen für die Übereinstimmung bezüglich
eines vermissten
Weltethos.“
Seinem mitgesandten
Angebot, sich für eine neue Tätigkeit zu bewerben, konnte er nach zwei
Bandscheibenoperationen
leider nicht entsprechen!
Nach den grässlichen
Terroranschlägen in New York sandte er an den UN Generalsekretär
Dr. Kofi Annan eine die
kriegerische Welt wiederspiegelnde Bedenklichkeit mit dem Gedicht
„Elfter Neunter“
Im Jahre 2004 folgte sein im Cornelia Goethe
Literaturverlag erschienener Gedichtband Erfüllte Zukunft.
Der frühere Bischof von Tirol, Dr. Reinhold Stecher
schrieb dem Dichter: „In ihrem Gedicht wird die Bugwelle
sichtbar, die aufschäumt, wenn ein Christ sein
"Boot durch den Seegang der Zeit lenkt!" Mit Segensgruß
Ihr +Reinhold Stecher.
Im Frühjahr 2010 folgte sein Gedichtband „Fäden des
Himmels.“
Der Altlandeshauptmann von Vorarlberg Dr. Martin
Purtscher äußerte sich dazu:
„Die Ortsbezogenheit einiger Gedichte bekundet ihre
Heimatverbundenheit, die Hymnen auf Gott demonstrieren
Ihre tiefe
Religiosität, ein mutiges Bekenntnis, das auch in der Literatur leider selten
zu finden ist. „Fäden des
Himmels“ regt zum Nachdenken und Besinnen an, es ist
eine spirituelle Herausforderung. (Der
handschriftliche
Brief liegt beim Dichter auf!)
Die Autorin und Sozialpädagogin Frau Birgit Kohlhase
(Autorin von Familie macht Sinn) verfasste folgende
Beurteilung:
"Der Dichter und Künstler Herr Antony Petschacher hat für mich zwei
Seiten: ich erlebe ihn als
einen hoch engagierten Zeitzeugen, der nimmer müde
wird, die Missstände dieser Welt anzuprangern.
Andererseits oder gerade aus diesem tiefen Mitgefühl
der Weltensituation verbinden seine Gedichte und
seine weiteren künstlerischen Aktivitäten die
Botschaft christlicher Nächstenliebe. Sie rufen auf zum
friedvollen Handeln, sind herzenswarm und
lebensbejahend. Wie zum Beispiel in einem seiner Gedichte:
Mögen seine Worte und Taten ein nachhaltiges Echo bei
vielen Mitmenschen finden."
In den Vorarlberger Nachrichten „Buch der Woche“ stand
zu lesen: Petschachers Lyrik ist in Buchstaben
gegossener Humanismus, verbandelt mit den Themen der
Religion und der Liebe, in der er auch die Möglichkeit
auf eine
„erfüllte Zukunft“ verankert.
Der in der Schweiz lebende Architekt Ernst Meier,
schrieb zum heutigen Anlass:
Herzliche Gratulation zur Verleihung des Ehrenkruges,
dies ist eine große, bedeutende Anerkennung für dein
jahrelanges Wirken und Schaffen nicht nur als Dichter,
sondern auch als Künstler im bildnerischen Bereich!
Wenn man die Gedichte liest, die Du in den letzten
Jahren geschrieben hast, würde ich dich gar als Mystiker
bezeichnen, der auch religiös betrachtet, die Zeichen
der Zeit mit Schärfe, aber auch mit liebender Zuwendung,
interpretiert.
Diesen Worten kann ich mich nur anschließen und möchte
mit einem persönlichen Gedanken enden:
Ich freue mich, dich im Kreis der Ehrenkrugträger
willkomen zu heißen und gratuliere herzlich
zum Ehrenkrug 2017 der Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg!
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